Redemutige Ansagen an den Schweinehund! – heute schreibt Andrea Joost über Rede – Mut.

Was Sie sonst so über Mut denkt, hat Sie mir im Mutinterview verraten. Hört mal rein:

 

Und hier geht es zum Gastbeitrag:

Die Präsentation beim Kunden, der Wortbeitrag in einem Meeting, die Vorstellung des neuen Projektes im Kollegenkreis … im Geschäftsalltag gibt es viele Situationen, in denen Sie gefordert sind, sich selbst und Ihr Thema zu präsentieren. Jetzt aber Hand aufs Herz: Ertappen Sie sich immer wieder dabei, dass Sie in diesen Momenten lieber Kollegen den Vortritt lassen? Weil Ihnen Ihr innerer Schweinehund ins Ohr flüstert, dass Sie nicht zum Redner geboren sind und die anderen das einfach viel besser können?

Das Problem dabei: Mit diesem Meidungsverhalten gehen Ihnen wertvolle Chancen durch die Lappen. Chancen, sichtbar zu werden, zu zeigen, was Sie wirklich draufhaben und die Früchte für Ihre Arbeit zu ernten. Stattdessen heimst die Lorbeeren jemand anderes ein. Sehr ärgerlich! Denn wie oft haben Sie sich insgeheim schon gedacht, dass Sie das mindestens genauso gut hinbekommen hätten wie der vermeintlich perfekte Kollege?

Was halten Sie davon, Ihren Schweinehund zu zähmen, um ihm beim nächsten Mal einen Strich durch die Rechnung zu machen? Zugegeben, er kann ein ganz schön harter Knochen sein und manchmal braucht es ein bisschen mehr Überzeugungsarbeit. Aber die lohnt sich! Deshalb fangen Sie am besten direkt an, ihm Paroli zu bieten, sobald er sich das nächste Mal bemerkbar macht. Wie? Indem Sie ihm (aber natürlich auch sich selbst) folgende Dinge in aller Deutlichkeit klarmachen:

  • Gestern war gestern. Heute ist heute. Manchmal erinnert uns der Schweinehund ziemlich unsanft an vergangene Situationen: Ein missglücktes Referat, eine mündliche Prüfung, bei der Sie das Gefühl hatten, bloßgestellt zu werden oder eine gefloppte Präsentation, die Sie geprägt und zu dem Schluss geführt haben: Ich gehöre nicht ins Rampenlicht. Ich kann nicht reden. Bitte schauen Sie doch einmal genau hin und machen Sie sich bewusst, was damals schief gelaufen ist. Es kann sehr befreiend sein, wenn Sie plötzlich feststellen, dass Sie sich weiterentwickelt haben und die damaligen Rahmenbedingungen mit aktuellen Redeanlässen gar nichts mehr zu tun haben.
  • Sie sind Experte und haben etwas zu sagen! Damit Sie wirklich mitreden können, brauchen Sie unbedingt noch die Weiterbildung XY? Gibt es da nicht einen aktuellen Artikel in der Presse? Und überhaupt: Sollten Sie sich nicht noch viel tiefer in Ihr Thema reinknien, um als kompetenter Ansprechpartner durchzugehen? Papperlapapp! Tag für Tag beschäftigen Sie sich intensiv mit Ihrem Fachgebiet – so schnell macht Ihnen niemand etwas vor. Denken Sie nur an die Diskussionen im Kollegenkreis, in denen Sie mit Ihrem Wissen punkten; an die Momente, in denen Sie Ihren Kunden ohne großes Aufheben aus der Patsche helfen und an die kniffligen Aufgaben, die Sie im Alltag mit links lösen. Sie dürfen auf sich selbst und Ihr Know-how vertrauen!
  • Ihr Publikum ist total okay. Auch wenn Ihr inneres Stimmchen Ihnen hartnäckig ins Ohr flüstert, dass Ihr Publikum völlig unberechenbar ist, wenig Interesse an Ihren Inhalten hat und eigentlich nur darauf wartet, Ihnen ein Bein zu stellen: In der Regel sind Ihre Zuhörer friedliche und umgängliche Zeitgenossen, die sich freuen, wenn sie neue Impulse und Antworten auf ihre Fragen bekommt. Freilich, der eine oder andere möchte Sie vielleicht mal auf die Probe stellen. Aber solange Sie sich auf die Wünsche und Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe vorbereitet haben und entsprechend respektvoll mit Ihren Zuhörern umgehen, haben Sie nichts zu befürchten.
  • Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Ihr Schweinehund ist ein Meister in Sachen Worst-Case-Szenarien: „Hoffentlich verliere ich den roten Faden nicht!“, „Was wenn der Kollege XY bei diesem Thema tiefer nachbohrt oder ich stolpere und meine Moderationskarten verliere?“. Wie oft haben Sie sich schon Gedanken über Dinge gemacht, die dann völlig reibungslos über die Bühne gegangen sind. Verschwendete Energie ist das! Deshalb schenken Sie der Drama-Queen bitte nicht so viel  Aufmerksamkeit, sondern lassen Sie sich auf die Situation ein. So können Sie viel flexibler mit dem umgehen, was auf Sie zukommt. Und sollte doch einmal etwas schieflaufen, dann gilt:
  • Fehler sind menschlich. Um kompetent rüberzukommen, muss alles nach Plan funktionieren? Mitnichten. Bitte werfen Sie Ihr Streben nach dem perfekten Auftritt über Bord und sagen Sie „Ja“ zu Ihren Fehlern. Natürlich wollen Sie Ihre Sache so gut wie möglich machen. Aber Missgeschicke gehören zum Vortragsleben einfach dazu. Der Mut, sie zuzulassen, macht uns nicht nur entspannter und spontaner, sondern auch erfolgreicher. Mal ganz davon abgesehen, dass Ihnen ein Fauxpas echte Sympathiepunkte bringen kann, wenn zum Beispiel ein Versprecher oder die missglückte Zeichung am Flipchart für einen Lacher sorgen.
  • Sie dürfen ganz Sie selbst sein. „Ich sollte lustiger auf der Bühne sein.“, „Ich müsste weniger Dialekt sprechen, mir mein Lachen besser verkneifen.“, „Wenn ich nur so eloquent wäre wie Kollege X!“ … Natürlich dürfen wir an uns arbeiten und uns weiterentwickeln. Aber selbstzerstörerische Vergleicherei bringt nichts und zieht Sie nur runter. Konzentrieren Sie sich lieber auf Ihre Stärken und zeigen Sie sich. Es geht nicht darum, der perfekte Rhetoriker zu sein, sondern Ihr Publikum zu erreichen. Je schneller Ihre Zuhörer den Menschen hinter dem Experten erkennen, desto eher werden sie Ihnen vertrauen und folgen.

Was meinen Sie? Damit sollten Ihrem Schweinehund doch die Argumente ausgehen? Und wenn Sie sich und ihm immer mal wieder Situationen gönnen, in denen Sie beide erleben, wie gut es sich anfühlen kann, die eigene Botschaft auf der kleinen oder großen Bühne zu transportieren, wird sich der kleine Mistkerl früher oder später von ganz alleine verdrücken.

Redemut-Freiraumfrau-Joost

PS: In dieser Redemut-zum-Mitnehmen finden Sie übrigens eine ordentliche Portion Redemut zum Ausdrucken und Mitnehmen, grafisch gestaltet von der wunderbaren Freiraumfrau, Angelika Bungert-Stüttgen. Trauen Sie sich, den Schritt nach vorne auf die Bühne zu machen. Jetzt. 

Redemut-zum-Mitnehmen

Die Autorin:

Andrea Joost ist Trainerin für wirkungsvolles Reden und sprachliche Cleverness. Die studierte Diplombetriebswirtin (BA) war viele Jahre Vertriebsdirektorin einer der größten deutschen Investmentgesellschaften, bevor Sie sich 2011 selbstständig machte. Ihr Buch „Mit Worten bewegen: Präsentationen und Reden, die wirklich begeistern“ ist 2012 im Wiley-VCH Verlag erschienen.

In ihrem E-Book „Nix gähn! So bewegen Sie Ihr Publikum“ gibt die Autorin 5 x 3 Tipps für mitreißende Vorträge.

Immer freitags finden Sie in ihrem Blog (www.andreajoost.de/blog) Tipps, wie Sie mehr Pep in Ihre großen und kleinen Auftritte bringen und Ihren eigenen Redestil entwickeln.

Ich sage Danke an Andres Joost und freue mich, wenn es Dir gefallen hat und Du die Mut-ausbrüche medial verbreitest und natürlich auch Deinen Mutausbruch!

Nur Mut, Eure Simone Gerwers

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