Was haben wir uns da eigentlich gedacht? …, fragen sich die Gründerinnen von Shipsheip – Holistic fashion ( Joana und Danny ) ab und an noch immer.

Shipsheip zu gründen war und ist ein echter Mutausbruch hat mir Danny verraten. Shipsheip ist ein mutiges Label mit ecofairer Produktion, das anders ist. 

In: „Was zum Henker machen wir eigentlich? Oder: Weil wir lieben, was wir tun.“, schreiben sie über ihre Gründung und was sie mit ihrem so besonderen Start Up verbinden. Dass sie lieben, was sie tun ist zu spüren.

Vorab könnt Ihr hier in das Mut  – Interview, welches ich mit Danny geführt habe reinhören und Euch gern eine Portion Gründungs – Mut abholen. 

Von Zeit zu Zeit, in ziemlich regelmäßigen Abständen, fassen wir uns an den Kopf, schütteln ihn leicht hin und her und fragen uns „Was zum Henker machen wir hier eigentlich?“  Oder, in einer leicht abgewandelten Variante: „Was genau haben wir uns dabei nochmal gedacht?“ 
Warum wir uns solche Fragen stellen? Simpel.
Wir haben uns selbstständig gemacht.

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Im letzten Oktober, gerade ein paar Monate her, haben wir unser Eco-Fashionlabel SHIPSHEIP gegründet. Von der ersten Idee bis zur wirklichen Umsetzung hat es dabei vier Jahre, zwei Städte und eine Reise nach Indien gebraucht. Und auch wenn die obigen Fragen anderes suggerieren: Es hat sich gelohnt. Denn mit unserem Label – egal wie anstrengend oder wahnsinnig es zwischenzeitlich ist –  machen wir genau das, was wir immer schon machen wollten: Ethik & Ästhetik miteinander verbinden.

Als wir 2011 zusammen in Berlin gewohnt haben, hat das ganze langsam seinen Lauf genommen. Wir haben beide noch studiert – Joana Modedesign, Danny Theologie mit Schwerpunkt Wirtschaftsethik – und haben dabei schnell gemerkt, dass sich unsere persönlichen Interessen und Studiengänge perfekt ergänzen. Die Leidenschaft für Mode auf der einen Seite. Das ausgeprägte Selbstverständnis, so arbeiten, produzieren lassen und leben zu wollen, dass es nicht auf Kosten anderer geht, auf der anderen Seite.

Zwei Faktoren haben uns darin sehr bekräftigt: Die Tatsache, dass Mode schon lange nicht mehr das ist, was sie sein sollte. Zwölf Kollektionen pro Jahr und täglich neue Trends haben weder etwas mit kreativem Design zu tun, noch damit, dass Kleidung Ausdruck und Inspiration bedeutet. Dazu die katastrophalen Umstände und Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern, die nicht nur extrem zu Lasten von Umwelt und Klima gehen, sondern die für die Herstellung eines T-Shirts Menschenrechte mit Füßen treten.

Die Motivation, ein eigenes Label zu gründen, rührt daher insbesondere aus der Überzeugung, es nicht nur anders machen zu wollen – weil alles andere unserer Meinung nach inakzeptabel wäre – sondern es anders machen zu können. Weil wir wissen, dass wirtschaften auch so funktionieren kann, dass alle Beteiligten davon profitieren. Die große Vision ist dabei nichts weniger als das: Unseren Part dabei spielen, ecofaire Mode zum Alltag machen.

Wie oben angedeutet, ist das beizeiten nicht einfach. Vielmehr sieht man sich als Start-Up etlichen Dingen gegenüber, die man noch nie gemacht hat, für die man eigentlich mehr Budget bräuchte oder die man in seinem Zeitplan einfach nicht mehr unterkriegt. Man lernt schnell, weiter als bis zum B-Plan zu denken, findet sich irgendwann mit einem soliden Imperfektionismus ab und wird zunehmend tiefenentspannt, wenn mal wieder Improvisationsbedarf besteht. Nicht umsonst lautet unser inoffizielles Motto bei SHIPSHEIP längst schon Knapp auf Kante.

Warum man sich trotzdem darauf einlassen sollte? Weil es, abgesehen von den ganzen Softskills, die man dabei lernt, noch viele junge Labels mehr braucht, die Mode und Wirtschaft neu denken. Nachhaltig. Die ernstzunehmende Designs entwerfen und dabei ganz selbstverständlich auf die Menschen hinter ihren Produkten achten. Weil das die einzig denkbare Zukunft ist. Und weil es keine bessere Zeit als jetzt gibt.

Auf der letzten Berliner Fashionweek ist deutlich geworden, dass ecofaire Mode auf dem Vormarsch ist. Dennoch ist sie de facto, verglichen mit dem Weltmarkt, immer noch ein Nischenphänomen. Insbesondere die großen Unternehmen tun sich schwer damit, wirkliche Änderungen an den Tag zu legen. Die Nachfrage dafür wächst jedoch. Nicht nur auf einem ethischen Level, weil Konsument|innen verstärkt auf das “Who made my clothes?“ achten. Sondern auch, weil die Ära der Fast Fashion langsam aber sicher passé ist und die Tendenz wieder dahin zurückkehrt, Dinge mit Wert, Kreativität und Dauer zu schaffen.

Quelle: Christoph Benjamin Schnedler

Quelle: Christoph Benjamin Schnedler

Und schließlich, unser ganz persönlicher Grund dafür, der sämtliche Strapazen und Aufregungen rechtfertigt und simpler nicht sein könnte: Wir lieben, was wir tun. Und tun, was wir lieben. Weil wir zu 100% dahinterstehen. So, wie man nur hinter der eigenen Sache stehen kann.

Danny und Joana exklusiv: 7 TIPPS zum Labelgründen:

  • Holt euch von Anfang an regelmäßiges Feedback zu euren Ideen, Plänen und Produkten ein.
  • Auch wenn das Budget knapp ist: das Geld für den Gründercoach (https://www.fuer-gruender.de/) sollte man in jedem Fall investieren. Zuschüsse, sodass man immerhin nur die Hälfte zahlen muss, kriegt man sehr leicht über die Kfw.
  • Tauscht euch mit anderen Gründer_innen aus! Coworking Spaces wie der Startplatz (http://www.startplatz.de/), das Social Impact Lab  (http://socialimpact.eu/lab) oder das Colabor (http://www.colabor-koeln.de/) in Köln sind dafür ideal. Dort bekommt man immer neue Anregungen, Ideen und kann sich leicht vernetzen.
  • Sucht nach Kooperationen oder Zwischenhändlern, wenn ihr sonst an Bestellmengen oder -möglichkeiten scheitert. Hilfreiche Infos gibt es dazu ganz frisch in der „Sustainable Sourcing“-Broschüre von FEMNET.
  • Überlegt, ob Crowdfunding (https://www.startnext.com/shipsheip) für euch sinnvoll ist. Damit schafft man sich nicht nur eine alternative Finanzierungsmöglichkeit, sondern vergrößert darüber hinaus seinen Bekanntheitsgrad.
  • Kommunikation ist alles! Trefft klare Absprachen und Aufgabenverteilungen. Das spart Zeit und Frustration.
  • Und zu guter Letzt: Besucht eure Handelspartner_innen! Denn nichts ist prägender, als die Menschen hinter seinen eigenen Produkten kennenzulernen.

Hier geht es direkt zu shipsheip: http://shipsheip.de/

Ich kann Euch beruhigen liebe Gründerinnen von Shipsheip, Ihr seid nicht wahnsinnig geworden: …., doch Ihr seid wirklich mutig! Danke, dass Ihr uns an Eurem Mutausbruch habt teilhaben lassen.

Nur Mut, Eure Simone Gerwers

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